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Abizeit:

  • Abi-Note?                  2,6
  • Abi-Jahrgang?          2006

Wie empfand man das Abitur an sich?

Das Abitur empfand ich als gut machbar, der Lernaufwand hielt sich in Grenzen, aber ganz ohne wäre es dann doch nicht gegangen. Die Klassenstimmung war gut, vor Allem kurz nach dem Abitur 🙂

Postabiturialzeit:

Was genau kam nach dem Abitur?

Ich „durfte“ der Deutschen Bundesrepublik voller Stolz als Zivildienstleistender dienen. Dies empfand ich jedoch als sehr monoton und sinnlos und kam mir eher als eine billige Arbeitskraft vor. Mein Tätigkeitsbereich war das Waschen von Autos und Rumfahren von Blutkonserven. für den DRK-Blutspendedienst. Nichts desto Trotz war es eine bereichernde Erfahrung, da ich mir dadurch eine genauere Vorstellung machen konnte was Arbeit bedeutet und somit voller Elan und Tatendrang an mein Studium gehen konnte. Ich würde es jedoch nicht weiterempfehlen, da es im Prinzip ein verschenktes Jahr ist…

Wie bin ich auf meinen Studiengang gekommen?

Ausschlaggebend für meine Studienwahl waren sicherlich ausschließlich persönliche Faktoren und das Interesse an dem Gebiet, dabei kamen Gedanken über Arbeitsmarktchancen und andere Zukunftsaussichten erst an zweiter oder noch späterer Stelle. Die Abinote hatte in sofern einen Einfluß, dass sie mir den Weg zu den deutschen Unis verperrte und ich mich somit für das Ausland entschieden habe, in meinem Fall Holland. Eine Studienberatung habe ich nie in Anspruch genommen und ich habe mich bei meiner Wahl auch nicht von anderen beeinflussen lassen. Alle anderen Infoveranstaltungen zu diesem Thema habe ich successiv verschlafen und beim Eignungstest vom Arbeitsamt kamen Berufe heraus von denen ich davor entweder noch nie gehört habe oder nichts hören wollte. Rankings nahmen ebenfalls keinen Einfluß, nur die speziellen Ausrichtungen der Unis und es erweist sich auch auf jedenfall vorteilhaft sich den Ort und ihre Hochschule vorher einmal anzugucken bevor man beschließt seinen folgenden Lebensabschnitt dort zu verbringen.

Mein Studiengang = DER Studiengang?

Psychologen werden in immer mehr Arbeitsbereichen gefragt und das starre Bild des Chliché-Psychologen mit Zigenbart und roter Couch verblast allmählich. Ein Psychologe weiß wie Menschen lernen, wie man sie motiviert und wie man die richtigen Mitarbeiter auswählt um in einem Betrieb den maximalen Erfolg zu erzielen, er weiß wie man die neusten technischen und oftmals anspruchsvollen Entwicklungen gut auf das Anforderungsprofil des Menschen anpasst, wie zb ein Navigationssystem und in der Softwareindustrie werden stets mehr Psychologen um Rat gefragt, wie man Anwendungen benutzerfreundlicher gestalten kann. In der Medienpsychologie wird zum  Beispiel untersucht, was für Effekte Massenmedien auf uns haben und warum TV-Programme wie „Big Brother“ oder „Bauer sucht Frau“ so unglaublich populär werden können. Dies sind nur einige Beispiele die neben dem klassischen Berufszweig des klinischen Psychologen, des Therapeuten, existieren. So bin ich zuversichtlich, dass es an Jobs nicht mangeln wird und ich vielleicht selber die ein oder andere Marktlücke geschickt nutzen und so noch beiläufig zum Millionär werden kann  😛

FH, BA, Uni, PH oder doch lieber Private?

Psychologie wird hauptsächlich an Universitäten angeboten, von daher hatte ich da nicht so die Auswahl. Einzelne spezielle Richtungen werden zwar auch an FH´s angeboten, doch ein solides Grundstudium bietet den Vorteil die Richtung innerhalb des Fachs einfach wechseln zu können falls man sich doch für eine andere entscheiden sollte.

Jetzt geht’s los?

In den Niederlanden gibt es keinen Numerus Clausus, jedoch einen Numerus Fixus, dieser tritt jedoch nur in Kraft falls die Anzahl der zukünftigen Studenten die Anzahl der vorhandenen Studienplatze übersteigt. Soweit ich weiß, war dieses in den letzten paar Jahren noch nie der Fall, von daher quasi zulassungsfrei. einzige Bedingung für Ausländer ist aber das erfolgreiche Absolvieren des Staatsexamens NT2, einen Niederländisch Sprachkurs, dessen Vorbereitung aber oft an den Unis selbst oder auch an grenznahen Volkshochschulen in Deutschland angeboten wird. Der O-Phase in Deutschland entspricht die Introductie in Holland, meistens 2 Wochen und heißt hauptsächlich jeden Tag feiern gehen. Im Vergleich zu Amsterdam kann man in Enschede auch relativ einfach eine Wohnung finden, es bietet sich aber an dieses vorher und nicht eine Woche vor Studienbeginn zu tun. Das Land ist grün und flach, die Häuser sind putzig und es regnet oft. Die Menschen sind alle sehr nett und aufgeschlossen und sprechen eine skurrile Sprache, man hat also jeden Tag was zu lachen.

Voll im Studium:

Wie ist die allgemeine Hochschulsituation?

Soweit bin ich ganz zufrieden, die Hörsäle sind alle sehr schön und der Campus ist groß und grün. Anders als in Deutschland muss man sich die Stundenpläne nicht selber zusammenstellen. Die Kommunikation mit den Profs ist gut, überhaupt ist der ganze Uni-interne Informationsfluss sehr stark internetgeprägt. Der Studiengang stellt sich etwas arbeitsintensiver dar als ich vorerst dachte, d.h. man muss maßig Bücher lesen, doch man lernt ja schließlich fürs Leben und nicht für díe Uni  =)

Was sind deine Fächer?

Das Studium ist in Quartale unterteilt, d.h. man fängt mit 4 Fächern an, hat in 8 Wochen Prüfungen, und kriegt danach sofort neue Fächer. Es gibt auch keine Semesterferien, ab und zu gibt es mal ne Woche frei, aber im Großen und Ganzen weniger als in Deutschland. Die Fächer thematisieren die verschiedenen Teilgebiete der Psychologie, wie z.B. Sozialpsychologie (Teildisziplin der Psychologie, die sich mit den sozialen Bedingungen und Konsequenzen des menschlichen Verhaltens befasst), Medienpsychologie (menschliches Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen im Zusammenhang mit der Nutzung von Medien), Klinische Psychologie (Entstehung, Beschreibung und Feststellung, Beeinflussung, Heilung und Vorbeugung von Störungen des Erlebens und Verhaltens), Kognitionspsychologie (Lehre über die mentalen Prozesse eines Menschen wie Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Denken, Erinnern, Verstehen und Problemlösen), Geschichte der Psychologie, Ergonomie (Anpassung von Mensch und Maschiene), Neuropsychologie (untersucht die neurophysiologischen Grundlagen psychologischer Gegebenheiten) etc. Es werden auch immer Fächer zur Statistiek und Methodenlehre behandelt (weniger spannend). Falls man die Bücher zu den Fächern gründlich gelesen hat (meistens mehr als 600 Seiten pro Buch) sind die Klausuren ganz gut machbar. Bücher sind meistens in englisch, Klausuren und Vorlesungen auf holländisch.

Lernst du eine Fremdsprache?

Nein, die Möglichkeit eine Fremdsprache im Studiengang zu wählen besteht nicht.

Wie hoch ist der Praxisbezug?

Konkrete Praktika sind nicht vorhergesehn, man kann sie aber trotzdem machen, muss dabei jedoch eine Verlängerung des Studiums in Kauf nehmen. In der Regelstudienzeit ist auch immer was Praktisches am laufen, wie zB die Ausarbeitung einer Kampagne gegen ein psychologisches Problem (Computerspielesucht, Rauchen, Condomgebrauch etc).

Wie finanziere ich mich?

Die Studienfinanzierung für Ausländer aus holländischer Seite wurde letztes Jahr abgeschafft, man kriegt nur noch eine kleine Finanzspritze wenn man mindestens 32 Stunden im Monat arbeitet, dann muss man sich aber auch selber versichern. Mein Bafögantrag ist schon seit einiger Zeit in Bearbeitung, die deutschen Behörden lassen sich allerdings nicht hetzen. Studiengebühren pro Jahr in Holland betragen circa 1500 Euro.

Außerhochschulisches:

Wie sieht deine Freizeit aus?

Die Uni ist eine Campus-Uni mit sehr viel sportlichen Einrichtungen, also Sportplätzen, Hallen, Schwimmbäder, Fitnessstudio etc. Man kann sich für ca. 100 Euro eine Sport und Kultur Karte kaufen mit der man das ganze Studienjahr über fast alles kostenlos nutzen kann. Die Anzahl der Vereine ist ebenfalls zahlreich. Die Stadt Enschede ist nicht allzu groß, es gibt ein paar Discos und Kneipen, das Nachtleben ist das was man selber draus macht.

Enschede – Eine Wahnsinnsstadt?

Enschede ist eine kleine Studentenstadt mit ein paar Discos und sehr vielen Kneipen.

Persönliches Statement:

Ich empfehle jedem seinen Studiengang aus Überzeugung und Interesse zu wählen.

 

Jacek: Psychologie (Bachelor) an der Universität Enschede