Berufseinsteiger werden immer jünger. Gerade in den Bundesländern mit G8 sind die Abiturienten meist erst 18 oder gar jünger, wenn sie ihre Hochschulreife erhalten. Viele streben dann direkt daran anschließend schon das Studium an, um ja keine Zeit zu verlieren und halten dann nach Regelstudienzeit schon mit 21 ihren Bachelor und mit 23 ihren Master in der Hand. Das Ziel der Bologna-Reform war es nicht nur, die Studiengänge europaweit vergleichbar zu machen, sondern mit dem Bachelor einen Abschluss in Deutschland einzuführen, welcher nicht erst nach 5 Jahren wie das Diplom sondern schon nach 3 Jahren zum Berufseinstieg befähigt. Doch wie sinnvoll ist es wirklich?

Anfangs waren die Unternehmen noch begeistert, da durch den schnelleren Abschluss vermeintlich der Mangle an Fachkräften verringert werden sollte. Inzwischen sehen es jedoch viele Unternehmen wieder etwas differenzierter. Personalverantwortliche bemängeln die mangelhafte Lebenserfahrung der jungen Berufseinsteiger (Umfrage der Personalberatung Access KellyOCG 2010). Auch die HIS sieht in einer Studie aus dem Jahr 2010 die Studiendauer nicht als Erfolgskriterium. Selbst die Telekom, welche anfangs noch eine „Bachelor-Welcome“-Erklärung unterschrieben hatte sieht nun offiziell Auslands-, Praxis- und Lebenserfahrung als wichtiger an als ein schnelles Studium.

Auch die vielen Berichte über das erhöhte Arbeitspensum der Bachelorstudenten im Vergleich zu ehemaligen Diplomstudenten, oder auch die Berichte über die Zunahme der Verwendung von leistungssteigernden Mitteln unter Studenten wirft die Frage auf ob der Wechsel auf das „Schnell Schnell“-Studium wirklich sinnvoll war. Hinzu kommt, dass durch die Bildungsreform und die Steigerung des Druckes vermehrt psychische Erkrankungen im Zusammenhang mit Überforderung auftreten.

Von meiner Seite aus kann ich sagen, dass ich zwar das Bachelor- Mastersystem durchlaufen musste, aber durch Zivi und Auslandssemster noch genug Abwechslung hatte. Persönlich würde ich auch jedem Studienanfänger empfehlen vielleicht erstmal ein Jahr auf Reisen zu gehen. Wer das nötige Kleingeld nicht hat kann ja erstmal 5-6 Monate z.B. bei einem Automobilhersteller am Band jobben und dann die nächsten 5-6 Monate mit Reisen verbringen. So erhaltet ihr gleich noch etwas „Praxiserfahrung“ und könnt euch einfach persönlich weiterbilden. Von den Erfahrungen, die ihr in diesem Jahr sammeln werdet, werdet ihr sicherlich den Rest eures Lebens profitieren können! Während des Studiums könnt ihr natürlich auch nochmal ins Ausland und das würde ich auch wieder jedem nahelegen. Ausreden wie „Dann muss ich aber ein Semester dran hängen“ sind bullshit! Das interessiert später keine Sau um ehrlich zu sein! Selbst wenn wir zu McK oder BCG wollt, seid ihr damit besser aufgestellt als wenn ihr es nicht gemacht hättet!

Meine Empfehlung nach mehreren Jahren Studium ist, nutzt eure Möglichkeiten! Es hat keinen Sinn sich selbst einen riesen Druck zu machen, um dann nach 5 Jahren zu merken, dass es sich nicht gelohnt hat. Ihr arbeitet alle noch lange genug! Und bei unserer Bevölkerungsstruktur ist davon auszugehen, dass wer heute ein Studium anfängt eigentlich immer einen Arbeitsplatz finden wird 😉

Aber das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden und dieser Beitrag spiegelt alles in allem nur meine Meinung wider. 🙂

Viel Erfolg bei Studienwahl und Studium!

Hauptsache schnell durch das Studium?